Tag der offenen Tür
Märkische Allgemeine 24.03.2010
BILDUNG: Auch mit Händen lässt es sich "brüllen"Gebärdensprache als Fach / Förderschule für Hören und Sprache präsentiert sich nach Neubeginn
POTSDAM / SCHLAATZ - Die Ehemaligen kommen mit Kinderwagen, Hund und Berufsgeschichten als Fluggerätemechaniker oder Schneiderin. Ihren Stolz darauf teilen sie mit ihren früheren Lehrerinnen.Es ist der erste Tag der offenen Tür in der seit Schuljahresbeginn vereinten Förderschule für Sprache und Hören "Wilhelm von Türk" am Bisamkiez. 165 Kinder und Jugendliche aus ganz Brandenburg lernen hier in Klassen mit höchstens zwölf Schülern. 40 von ihnen, bis zum Ende der Grundschule, im Bereich Sprache. Die Schüler mit Hörschädigungen schließen hier nach der 10. Klasse ab.
Noch sind die Förderschwerpunkte durch politischen Willen getrennt. "Aber die Frage nach Integration und Inklusion stellt sich", sagt der stellvertretende Schulleiter Armin Wolf. Mit Direktorin Uta Kapp ist er zunächst froh, dass der "fachlich wie verwaltungsmäßig herausfordernde Neustart" der Schule gelungen scheint.
Am Tag der offenen Tür gibt es auch Unterricht. In der Klasse 2 von Lehrerin Ulrike Kleissl steht das Einmaleins an. Kinder mit verschiedenen Hör- und Sprachniveaus sitzen in der kleinen Lerngruppe. Strümpfe werden ausgezogen, Zehen gezählt, Körperteile benannt, nasse Hände als Abdruck an die Tafel gepresst. Handlungsorientiert geht es zu. Ihr klares Reden ergänzt die Lehrerin mit Gebärdensprache.
Elternvertreter Thomas Zander, der selbst gehörlos ist, gibt im Flur einen Schnupperkurs in Deutscher Gebärdensprache. Man lernt sich vorzustellen und auf den weichen Ausdruck der Gesten zu achten. Denn auch mit Händen lässt es sich "brüllen". Neben Kindern mit Schwerhörigkeit und auditiven Wahrnehmungsstörungen gibt es an der Schule immer mehr gehörlose Kinder. Mit viel Aufwand gelang es, Gebärdensprache als eigenes Fach zu verankern.
Über Theaterprojekte, Praxislernen, die Partnerschule in Posznan und förderspezifische Kooperationspartner erfährt man etwas an diesem Tag. Auch das Wohnheim, das gemeinsam mit den Potsdamer Oberstufenzentren genutzt wird, steht offen. Einige der momentan 46 Kinder wohnen schon ab der ersten Klasse hier. Die 12-jährige Jasmin aus Perleberg schaut sich eine der sieben Wohngruppen an. Im Sommer wird sie in eine der altersgemischten WGs einziehen, die von Erzieherinnen begleitet werden. Ihr erster Eindruck ermutigt sie. (khi)